Sind gute Vorsätze wirklich sinnvoll?

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Jetzt geht es wieder los! Die ersten Tage und Wochen im neuen Jahr. Die guten Vorsätze werden ausgesprochen, aufgeschrieben oder einfach vorgenommen.


Ab dem 1. Januar haben sich wieder viele Menschen vorgenommen mehr Sport zu machen, eine gewisse Menge an Kilos abzunehmen oder einfach weniger Süßkram zu essen.

Wer kennt es auch? Ich auf jeden Fall.



Auch ein oft schnell vergessener Vorsatz: Ich werde meinen PC Konsum einschränken. Am besten kombiniert mit „und den Handy/PC Konsum meiner gesamten Familie“. Das kenne ich auch sehr gut. Da ist Theater und Gezeter vorprogrammiert.

Das Problem an der ganzen „Vorsatzsache“? Das kennen auch viele. Zunächst achten wir Eltern ganz streng auf die Einhaltung der von uns eingeführten Regel, doch dann lassen wir uns entweder austricksen (Streng genommen ist eine Spielekonsole auch kein PC) oder wir Eltern lassen es einfach schleifen und vergessen die eigenen Vorsätze.

Diese von uns Eltern vorgegeben Vorsätze sind, wie die Vorsätze für uns selbst, oftmals einfach sinnlos!


1. Wenn ich für andere Vorsätze aufstelle, ohne mit den Betroffenen (Kindern) darüber gesprochen zu haben, gibt es nur Unverständnis und Diskussionen. Das nervt und macht nur eine miese Stimmung. Mal ehrlich, warum sollte ich etwas umsetzen, was in mir schlechte Stimmung hervorruft und, aus der Sicht der Kinder, keinen Sinn macht? Wir haben eine gute Absicht, doch davon wissen die Kinder nichts. Vor allem wenn wir es nicht einmal angesprochen haben.


2. Ich sollte mich an meine eigenen Regeln halten. Stelle ich zeitliche Regeln für den Medienkonsum auf, dann sollte ich das Ganze auch vorleben! Warum? Der Mensch, vor allem Kinder, lernt durch Abschauen. Das bedeutet: Ich kann predigen wie ich will, wenn ich meine eigenen Regeln nicht einhalte und auch vorlebe, werde ich weiter nachgeahmt. Ich muss mir in dem Fall, was meinen Handykonsum angeht, auch an die eigene Nase fassen. Leider…


Wenn ich auf meine eigene Bildschirmzeit der letzten Tage sehe… ähhh… vergessen wir das!



Klar möchten wir Eltern, dass unsere Kinder zu sozialen Wesen heranwachsen und sich höflich verhalten. Sie sollen in dieser Gesellschaft zurechtkommen, sie sollen glücklich sein und nicht den ganzen Tag vor dem Handy/PC verbringen. Bewegung ist sehr wichtig, doch das ist vor dem Handy oder PC leider kaum möglich.





Sind wir doch einmal ehrlich. Wir leben in einem digitalen Zeitalter und gerade nach diesem Jahr 2020 mit dem ganzen „Homeschooling“ und „Homeoffice“ kann ich für mich sagen:


Lieber online Kontakte - als gar keine Kontakte!


Vielleicht einmal aus der Sicht der eigenen Kinder: Lieber online Kontakte zu den Freunden als den ganzen Tag 24/7 Kontakt zu den Eltern! Kinder und Jugendliche brauchen diesen Kontakt zu Gleichaltrigen, um erwachsen zu werden. Das ist mit reinem Kontakt zu der älteren Generation sehr schwer möglich.

Sie wollen und müssen sich von uns abgrenzen, sich mit Gleichaltrigen austauschen und sich verändern. Sonst wird es keine Veränderung in unserer Gesellschaft geben.

Wenn das im realen Leben, wie in diesen besonderen Zeiten, nur schwer möglich ist, dann eben über digitale Medien und Plattformen. Besser als überhaupt keinen Kontakt zur Außenwelt. Corona hat mir erstmals richtig bewusst gemacht wie wichtig diese Möglichkeit ist und wie abhängig wir auch davon geworden sind.


Die Erwachsenen die schreien, dass früher alles besser war, haben meist nur vergessen, dass es weder Handy noch das Internet gab.

Es gab aber Fernsehen und Radio. Vielleicht erinnern sich Einige jetzt, wie ihre eigenen Eltern geschimpft haben, dass sie zu viel Fernsehen schauen, im Haus hocken und einfach in das Gerät starren. Viele haben das nur verdrängt.



Ich habe immer zu hören bekommen, dass ich rechteckige Augen bekomme und fand das damals auch ungerecht.


Das heißt jetzt nicht, dass ich den ganzen Medienkonsum befürworte und die Kids einfach alles „machen“ sollen. Nein! Alles hat seine Schattenseiten, aber da wo Schatten ist, da scheint auch die Sonne.


Seine sozialen Kontakte nur online zu haben finde ich auch bedenklich, aber AUCH online Kontakte zu pflegen ist doch eine Bereicherung. Außerdem sitzen die Kids nicht stur vor einem Bildschirm und konsumieren, sondern sie interagieren. Sei es, dass sie sich in Gesprächen austauschen oder auch miteinander spielen. Sie lernen miteinander zu interagieren, ohne sich zu sehen. Sie lernen sich rein mit Worten mitzuteilen ohne die Mimik.

Ich freue mich andererseits auch wieder auf die Zeit, wenn meine Kinder ihre Freunde im realen Leben wiedersehen, doch diese Erfahrung im Jahr 2020 wird sie ein Leben lang begleiten. Sie waren nie ganz allein, sie hatten zumindest die Möglichkeit für einen sozialen Austausch mit Gleichaltrigen.

Auf Dauer möchte ich diese Situation nicht haben und es wird auch Kinder geben, für die diese Zeit nicht so gut abgelaufen ist.

Ich weiß, das ist jetzt harmlos ausgedrückt.

Wir können und konnten nur alle das Beste aus der Situation machen.

In diesem Sinne habe ich jetzt DOCH einen Vorsatz für das neue Jahr 2021!

Gewonnen aus meinen Erkenntnissen aus den letzten Monaten.


Meine Familie und ich werden das Beste aus dieser Zeit mitnehmen und daraus machen. Ich werde mich weniger wegen des Medienkonsums stressen und sie trotzdem ab und zu vom Bildschirm weglotsen. Ich weiß, dass es die schlechten Seiten gibt, werde aber die guten Seiten suchen und mir genauer betrachten.


Mit diesem Vorsatz kann ich leben, weil ich den auch vorleben kann. Ich werde gelassener mit mir und meiner Familie umgehen, denn nur wenn ich gelassen reagiere, lernen sie es auch gelassener mit ungewöhnlichen Situationen umzugehen.


Wenn ich lerne mir meine Fehler zu verzeihen, lernen sie auch sich selbst und anderen zu verzeihen.

Wenn ich immer ruhiger werde und aufhöre alles perfekt zu machen, werden meine Kinder auch lernen, dass es keine Perfektion gibt und ebenfalls ruhiger mit Fehlern umgehen. Es ist immer früh genug damit zu beginnen.


Wir sind alle nur Menschen und wollen das Beste für unsere Kinder. Nur ist unser Bestes nicht immer auch das Beste für die Anderen. Das anzuerkennen und vorzuleben wird die Herausforderung sein. Nicht nur 2021, sondern auch darüber hinaus. Druck rausnehmen und durchatmen.




In diesem Sinne. Allen ein gutes neues Jahr 2021. Bleibt gesund, denn alles wird besser werden! Und wenn es nicht besser wird, wird es halt anders.


Und anders ist nicht schlecht, nur anders.

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